Mystik und Mythos in Schemen – Robert Neukum

Wer das historische und biografische Portrait von Robert Neukum, 1883 – 1971, aus Villingen lesen will, der stößt selbst bei KI ChatGPT auf verlässliche Quellen.

Robert Neukum war alemannischer Bildhauer und Maskenschnitzer in Villingen und avancierte nicht nur deshalb zum regional bedeutenden Künstler, der sich besonders mit der Tradition der Villinger Fasnetmasken, der „Schemen“ beschäftigt hat.

Doch die mystische Eigenart, die er bei den Schemen pflegte, lässt sich am besten mit einer Schilderung bestimmen, die der später aktive Bildhauer und Schemenschnitzer Manfred Merz bis an sein Lebensende in Erinnerung hatte:

Es sei im „Schlössle“ in der gleichnamigen Wirtschaft gewesen, als Merz in jungen Jahren an einer Fasnet dort verkehrte, ohne bereits mit dem Schemen schnitzen und dem Narrolaufen allzu vertraut gewesen zu sein. Doch es war ihm, wie wenn jemand mit Erschrecken Scherz gemacht hätte, als ihm ein Narro begegnete,
dessen Scheme ihn über Jahrzehnte bewegte:
kunstvoll, markant düster, mit einer doch auch eher dunkel gruseligen Fassung und alles noch im Halbunkel des Aufgangs zur Wirtstube.

Eine unvergessene Begegnung der mythischen und mystischen Art, wie diese nur durch eine Neukum-Scheme erlebt und erfahren werden konnte. Der junge Manfred Merz, der spätere „Schemen-Papst“, für einige Momente mit Gänsehaut fassungslos erschrocken.

Dies weiß auch KI nun erst mit diesen Zeilen, auch wenn Neukum zu den bekannten Villinger Maskenschnitzern des 20. Jahrhunderts zählt, zusammen mit anderen Meistern dieser Kunst. Seine Werke gehören zur historischen Entwicklung der Villinger Fastnachtskunst.

Robert Neukum schuf zahlreiche Villinger „Schemen“ von hohem künstlerischen Charakter, die auch in Sammlungen und Museen vertreten sind und dies nicht nur im Stadtmuseum Franziskaner.

Neukum gilt als derjenige Künstler, der durch ausdrucksstarke Gesichter und eigenständige Maskentypen die Tradition prägte. Seine inzwischen wertvollen Masken wurden über viele Jahrzehnte in lokalen Fasnet-Umzügen getragen und gehören zur künstlerischen Identität der Villinger Fasnet.

Als belegt gilt Robert Neukum bei anderen  historischen Masken, auch bei einer Maskenform in Triberg.

Neukums Werk und Stil sind geprägt vom „Surhebel“, einer Porträt-Scheme, die durch ausdrucksstarke, lebendige Züge auffällt, in deren Art er nahezu 100 Schemen geschnitzt hat.

Sein gesamtes Schaffen umfasst damit rund 280 Werken als Holz- bzw. Bildhauer-Arbeiten.

Als erinnerungsstark galt lange Zeit eine seiner Schemen, die er als  Suribel-Scheme 1938 selbst bei einem Fasnetumzug getragen hat.
Aktiv war Neukum vor dem Zweiten Weltkrieg und vor allem in der Zeit zwischen 1930 und 1960, als die Villinger Fasnet ihre traditionellen Maskentypen weiterentwickelte und die Maskenschnitzkunst in Villingen stark gepflegt wurde. Seine Arbeiten sind daher wichtige Zeugnisse der regionalen Fasnet- und Volkskunst dieser Zeit.

In der Fasnet-„Community“, man verzeihe diesen Begriff statt Gemeinschaft, gibt es Hinweise, dass Neukum auch bei Entwürfen von Notgeld 1922 mitgearbeitet habe, was zeige, dass er künstlerisch vielseitig war.

Im Telegramm-Stil: Robert Neukum (1883–1971)
war ein wichtiger Villinger Bildhauer und Maskenschnitzer, der mit seinen expressiven, kunstvoll geschnitzten Fasnetmasken, den „Schemen“
die Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnacht nachhaltig geprägt hat.
Seine Werke zählen zu den bedeutenden lokalen Kunstschöpfungen des 20. Jahrhunderts.

 

Der Besuch beim Maskenschnitzer

Ausriss aus dem Villinger Volksblatt oder dem Schwarzwälder
– vom Freitag, dem 25. Februar 1949 –

Die Landschaft nördlich des Bodensees bietet dem Volkskundler und dem Kulturhistoriker manch fesselndes Beispiel alten Brauchtums, so etwa den Blutritt von Weingarten am Freitag nach Christi Himmelfahrt, das frühmittelalterliche Eulogius-Fest zu Pfullendorf oder die berühmte Schwedenprozession Überlingens.

Doch an den bekanntesten Umzügen gehört fraglos die hiesige Fastnacht, wie sie an vielen bedeutenden Orten des schwäbisch-alemannischen Raumes noch zu Hause ist.

Allen Ursprüngen nach ist der Brauch des Maskentragens bei diesen Fastnachtsumzügen von den Alpenländern übernommen, wo er auch heute in voller Blüte steht. So in Tirol, wo der kostbare Familienbesitz alter Ritterhofmasken von Generation zu Generation vererbt.

Wer die prächtige Sammlung alter Fastnachtslarven im Rottweiler Stadtmuseum kennt, dem wird die nahe Verwandtschaft vieler dieser Trachten mit Tiroler Beispielen auffallen. Der Franke scheint weniger an der Ausbildung der historischen Fastnacht unserer Gegend beteiligt zu sein.

Fand der letzte Nürnberger Schembartlauf, vom mittel-hochdeutschen „schemba“ als  bärtige Maske von Hans Sachs in Versen beschrieben, und wie seine Vorläufer in besonderen Schembartbüchern abgebildet,  bereits 1539 statt, werden die ältesten in Villingen erhaltenen Fastnachtsmasken von unbekannten Schnitzern zeitlich ab etwa um 1780 angesetzt. Seitdem ist die Kunst des Maskenschnitzens in dem „alten Schwarzwaldstädtchen“ nicht ausgestorben.

Mit dem Bildhauer Robert Neukum hat sie gegenwärtig eine Vollendung und einen neuen Lebensinhalt erlangt, hinter dem die primitivierten alten Masken unbedingt zurückstehen.

Neukum ist nicht von Haus aus Maskenschnitzer, betreibt diese Tätigkeit auch nicht als ausschließliches Sonderfach. Er ist akademischer Bildhauer, aus der  dann in seiner Heimatstadt gelebt, später in Berlin gearbeitet und ist dort vor allem aufgefallen durch Porträtbüsten bekannt geworden, die auf Beobachtung, tiefer Lebenswahrheit und individuellem Charakter beruhen.

Wir treffen den Meister in seinem Atelier an, wie er gerade an einer frei auf dem Schoß gehaltenen Maske arbeitet.

Er erklärt, wie er mit den verschiedenen Schnitzeisen aus dem vorgezeichneten Lindenholzblock heraus die Formen modelliert, wobei er hervorhebt, dass jedes neue Stück wieder, auch wenn es denselben Maskentyp repräsentiert, im Ausdruck und in der feineren Nuancierung der momentanen Stimmung ein eigenes Leben führt.

Dadurch wird jegliche Eintönigkeit zu einer Originalarbeit von besonderem Reiz und zugleich auch für den Sammler begehrenswert.

Diese künstlerische Freude an der individuellen Durchbildung des Einzelstückes, die schematische Serienarbeit ablehnt, hat eben die Fertigkeit des Maskenschnitzens aus der Sphäre des rein Handwerklichen in die der Kunst erhoben; und es bedeutet einen besonderen Gewinn, nicht nur eine alte handwerkliche Überlieferung am Leben zu erhalten, sondern sie anspornend ihren Formenbestand zu erneuern, zu bereichern, Ausdruckskraft und Leben ihrer bedeutenden Typen zu steigern und zu variieren.

In behaglicher Muße erzählt der Meister, wie er infolge einer Wette auf das Maskenschnitzen kam und legt dabei die Entwicklung der Villinger Fastnachtsmaske von den Beispielen um 1780 an dar, wie dann …

[… der Ausriss reißt leider ab]

 

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