Oster-Ausflug zum St. Petriner-Kreuzweg – Doch der Zustand leidet…
Im Allgemeinen führen österliche Ausflüge nicht auf den Friedhof, auch wenn die Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi den Sinn für Ostern ausmacht. Doch ein ganz besonderer Kreuzweg in Richtung Freiburg bietet sich mit besonderem Ziel für die Ostertage an: der Kreuzweg auf dem Friedhof in St. Peter. Dort schmücken 90 Vollplastiken des Villinger Hafnermeisters Dominicus Ummenhofer (1805 bis 1876) in 14 Bildstöcken den Gottesacker: Von der ersten Station ‚Jesus wird zum Tod verurteilt‘ bis zu ‚Jesus wird ins Grab‘ gelegt.
Die Klöster Villingens haben über Jahrhunderte das kirchliche Leben, die Kunst und die Kultur, die soziale Fürsorge und auch die religiöse Strenge mitbestimmt.
So entstand im Jahre 1585 wohl auch die ‚Passionsbruderschaft‘. Eine Gruppe von gläubigen Katholiken, als deren Werk die Villinger Passionsspiele gelten. Zwischen Stadtmauer, Kirche und Kloster wurden geistliche Schauspiele aufgeführt, die das Leiden und Sterben Christi darstellten.
Die bildliche Darstellung der 14 Stationen der Passion hatte in den Jahren um 1750 Johann Sebastian Schilling geschaffen. Reststücke schmücken noch heute den Chorraum des Franziskaner Museums in Villingen.
Verbunden mit diesen Passionsspielen, die bis Ende des 18. Jahrhunderts stattfanden, ist der Villinger Hafnermeister Dominicus Ummenhofer, den man auch den „Guller“ nannte.
Während man in und um Villingen den Namen des Hafnermeisters Ummenhofer nur mit dessen Figuren für die Weihnachtskrippe in Verbindung bringt, geht auf mündliche Überlieferung zurück, wie Dominicus zu seinem ‚Spitznamen‘ kam.
Von seinem schauspielerischen Talent bei den Passionsspielen seiner Zeit ist zwar nichts überliefert, wohl aber von seinem Wirken hinter den Kulissen. Blieb ihm doch sein Beiname wegen der Szene am Ölberg, bei der Petrus erfahren muss „…noch heute Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich drei Mal verleugnen!“ Und der „Guller“ krähte…
Guller-Figuren stellen ein Villinger Spezifikum dar. Als Zeugnis des Brauchtums dieser Region sammelte der Lenzkircher Uhrenfabrikant Oskar Spiegelhalder (1864-1925) bemalte Tonfiguren aus Villingen für sich und die spätere Schwarzwaldsammlung.
Begeisterter Sammler war auch der Kunsthafner Carl Kornhas (1857-1931), Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Aus seiner großen Sammlung Villinger Krippenfiguren verkaufte er einst 296 Stück an die Städtischen Sammlungen. Vergleichbare Tonfiguren finden sich aus jener Zeit auch in Ulm als „Rommelfiguren“ und in Zizenhausen bei Stockach.
Sind die kleinen Ulmer Tonfigürchen, die das Leben im reichs-städtischen Ulm festhielten, Werke professioneller Hafner, sind die Zizenhausener Figuren wie die in Villingen meist von Laienkünstlern hergestellt worden. Diese jedoch nicht als Vollplastiken, sondern als Reliefs. Sie wurden ‚en masse‘ für Jahrmärkte und Wallfahrtsorte produziert, was sich vielfältigen Themen widerspiegelt.
(Dr. Anita Auer in GHV Villingen, 2017,)
Was die Passionszeit des „Guller“ Ummenhofer (1805 bis 1876) bis heute mit dessen Handwerkskunst verbindet, ist ein Auftrag, den der Villinger Hafnermeister aus St. Peter erhalten hatte.
Im Jahre 1853 lieferte Ummenhofer für den „Gottesacker“ und den St. Petriner-Kreuzweg 90 Vollplastiken in einer Größe von etwa 30 Zentimetern, die dort in 14 Bildstöcken hinter Glas aufgestellt wurden. Für ein Honorar von 81 Gulden fertigte Ummenhofer sogar Pferde für die Passionsszenen. Alle Figuren von Hand geformt, zwei Mal gebrannt und bemalt.
Bis zum Jahre 1954 war in Villingen diese Urheberschaft Ummenhofers in St. Peter kunsthistorisch nicht mehr präsent. Der St. Petriner-Kreuzweg aus der Werkstatt des „Guller“ stand jedoch für den ehemaligen Museumsführer Ernst Armbruster (†) eng in Zusammenhang mit der Dynastie der Ummenhofers als bedeutende Hafner und deren eigentlich nur kleinen heimischen Aktionsradius.
Doch man erinnerte sich erneut, weil auch Fridolin, der Sohn des „Guller“ (1831 bis 1856) und dessen Onkel Michael (Lilienwirt von 1846 bis 1852) gleichfalls begabte ‚Ton-Künstler‘ waren.
Restauratoren aus Karlsruhe erstellten folglich erst hundert nach dem Auftrag an Villingen (1954/55) ihre Diagnose und die Therapie für die zum Teil beschädigten Objekte der Kleinodien. Man verpasste ihnen neue Glieder, härtete brüchige Stellen und fasste die kleinen Kunstschätze neu mit Farbe.
Die hölzernen Schaukästen wurden neu gestrichen, vor dekorativem Hintergrund wurden die 90 Passionsfiguren wieder aufgestellt.
Noch heute sind sie dort zu sehen. Und auch wenn sie nicht zu den Schöpfungen der hohen Kunst zählen, sind sie auf jeden Fall volksbezogen und gemütvoll, anmutig und religiös besinnlich.