Eine Satire aus der Schülerzeitung am GaR
„Frisch, fromm, fröhlich, frei!“.
Dieses Motto hatten sich einst die Gründerväter des modernen Sports auf ihre Fahnen geschrieben. Doch davon ist wohl nicht allzu viel übriggeblieben. Ist doch der Sport mehr und mehr der Vermarktung anheimgefallen, und die ach so hehren olympischen Ideale eines Baron von Coubertin haben sich mit der Zeit in Wohlgefallen aufgelöst.
Nur der Schulsport hat sich als Relikt aus der sportgeschichtlichen Frühzeit dem Wandel der Zeiten weitestgehend widersetzen können und hat auf diese Weise einst wie heute das Leben der Schüler mit zweifelhaftem Glück erfüllt.
Denn auch heute noch steht in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ein flottes Lehrer-Fahrzeug vor der Turnhalle oder am Sportplatz, das den aufmerksamen Beobachter durch dessen auffällig rot-weißen Anstrich und blaue Blinklichter in seinen flachen Bann zieht, weil es denn auch dauert, bis der smarte Fahrzeughalter sitzt oder wieder ausgestiegen ist.
Dies verdeutlicht dem Schüler aufs Neue, dass allein das Fach Sport im Lehrerberuf, und insbesondere damit der Schulsport, vielleicht doch nicht ganz so gesund ist, wie immer behauptet wird.
Denn immer wieder und je nach Schwere des Falls hat sich schließlich die Anzahl der im Schulhaus anwesenden Sportinvaliden um einen erhöht: es gibt einen neuen Gips zu bewundern und gegebenenfalls muss der unterrichtende Lehrer im Klassenzimmer erhöhte Aufmerksamkeit aufbringen, um nicht über achtlos abgestellte Krücken zu stolpern.
Von den Sportlehrern wird natürlich bei solchen Gelegenheiten meistens darauf verwiesen, dass der betroffene Schüler für das Missgeschick selbst verantwortlich sei, da seine Ungeschicktheit bzw. sein mangelndes Training zu diesem Unfall geführt habe, sofern er nicht gerade das Opfer eines Fouls wurde.
Bei näherem Hinsehen entpuppt sich diese Erklärungsweise als reichlich fadenscheinig, da gewisse Sportarten einfach ein hohes Verletzungsrisiko in sich bergen.
Ein wunderschönes Beispiel hierfür ist z.B. das Geräteturnen. So können Übungen am Barren dem Schüler ein gänzlich unerwartetes Hörerlebnis bescheren. Beim satten Klang, der entsteht, wenn ein Schienbein gegen einen Holm kracht, wird ihm dieser auf Dauer in Erinnerung bleiben.
Das Reck hingegen ist beim „Knabensport“ dafür berüchtigt, dass ein bestimmtes Körperteil die für den Betroffenen wenig erfreuliche Tendenz zeigt, sich bei einigen Übungen um die Reckstange zu wickeln.
Aber auch das Längspferd oder der Bock haben da ihre Tücken; beide haben die fatale Eigenschaft, dass sie bei einem etwas zu knapp bemessenem Absprung
die spätere Mitgliedschaft in einem Eunuchenchor sicherstellen können. Allerdings sollte dies nicht zur Annahme verleiten, dass allein das Turnen für die ganzen Sportunfälle verantwortlich sei, denn auch so ‚harmlose‘ Sportarten wie Volleyball können den Freunden gerissener Bänder und verstauchter Knöchel viel Freude bereiten. Ganz zu schweigen von ‚Kampfsportarten‘ wie Fußball, Handball etc.
Das wäre jedoch alles halb so schlimm, wenn die meisten Unfälle nicht zumindest indirekt dadurch verursacht würden, dass ein übereifriger Sportlehrer meint, die ihm anvertrauten Schüler mittels Notendruck zu Höchstleistungen anstacheln zu müssen, und er somit deren Gesundheit aufs Spiel setzt.
Hierbei tut sich in besonderem Maße ein gewisser, den meisten Schülern nicht gerade unbekannter Herr H. (Name der Red. bekannt) hervor, der, berauscht vom Bewusstsein der Macht, die er in seinem Notenbuch manifestiert sieht, vielen Schülern den Spaß am Sport gründlich verleiden kann.
Eines seiner erklärten Ziele scheint übrigens zu sein, die Schüler zum Masochismus zu erziehen: „Ich weiß, die Übung tut weh, aber sie steht halt im Lehrplan!“, um ihnen begreiflich zu machen, wie schön es doch ist, nach dem Unterricht überall blaue Flecken zu haben.
Weiterhin ist sein Misstrauen gegenüber Schülern, die krankheitshalber fehlen, geradezu zwanghaft, obwohl er selbst wegen angeblicher Schmerzen in der Leiste auch längst nicht jede Übung vormacht.
In der H’schen „Philosophie“ scheint dann auch Unsportlichkeit eine Vorstufe körperlicher Behinderung zu sein. Damit ist er wahrscheinlich auch einer derjenigen, die der ‚täglichen Sportstunde‘ bzw. dem ‚Hauptfach Sport‘ nachtrauern. Eine Einstellung, die zeigt, dass auch aus der Sportgeschichte wieder einmal nichts gelernt wurde, und man diese Haltung wohl als faschistoid bezeichnen muss.
Anstatt den Schülern ein ungezwungenes Verhältnis zum Sport allgemein zu ermöglichen und jeden seiner Begabung nach entsprechend zu fördern, und nicht nur die Guten, betreibt H. einen Leistungsfetischismus, der letzten Endes niemandem nützt, sondern nur die körperliche Unversehrtheit der Schüler gefährdet.
Dass es auch anders geht, dass Schulsport nicht notwendigerweise in Schwachsinn ausarten muss, das zeigen einzelne andere Sportlehrer an unserer Schule.
Herr H. sollte sich an ihnen ein Beispiel nehmen! (sk)