Von der Sturmglocke, den Turm- und Scharrenwächtern

Geheimnis um ein schmiede-eisernes Türchen am südlichen Münsterturm

Das Wächterstübchen hoch oben im Südturm des Münsters.

Im Wächter-Stübchen, hoch oben auf wenigen Quadratmetern im südlichen Turm des Villinger Münsters, hielten sich zu früheren Zeiten im Wechsel drei  Turmwächter in städtischem Dienst auf. Deren Aufgabe war es, auf eventuelle Feuer zu achten, die durch das Handwerk, wie beim Schmied oder beim Bei Bäcker und  Metzger,  durch Blitzschlag oder einfach auch durch offene Feuer in den Haushalten entstehen konnten.

Eine ihrer Pflichten war es auch, auf der großen Glocke, die sich im Nordturm, dem zweiten Turm befindet, über ein Zugwerk mit Seil die vollen Stunden nachzuschlagen, die das Uhrwerk schon gesetzt hatte.

Diese geforderten Extra-Schläge boten zugleich die Kontrolle  für den Nachtwächter, der als sogenannter Scharrenwächter seine Pflicht in den Straßen und Gassen versah, ob denn der Wachhabend im Turm nicht doch dessen Dienst eher verschlafen hatte.

Brach in der Stadt ein Brand aus, was der Turmwächter aus dieser Höhe leicht feststellen konnte, war die kleine Sturmglocke das Feuersignal.

Diese Glocke diente zu manchen feindlichen Zeiten des Angriffs und der Belagerung der Stadt als Signal, dass sich die einzelnen Zünfte und die Bürger entlang ihrer Verteidigungslinie an der Ringmauer einzufinden hatten.

An der äußeren Südwand des Südturms befindet sich in Augenhöhe ein Eisentürchen zum Seilende der Sturmglocke.

Konnte ansonsten ein Wächter von hoch oben ein Brand beobachten, der außerhalb der Stadt lag, folgte sein Signal mit der Trompete, die er in die Richtung päperte und blies, wo der Brandherd lag.

Gegen ein Trinkgeld durfte der jeweils Wachhabende, sofern er geneigt war, sich die Mühe des Absteigens vom Turm zuzumuten, auch jenen Brautleuten „einen Marsch auf der Trompete blasen“, wenn diese aus der Kirche traten.

Nicht zu vermeiden war, was in alten Ratsprotokollen zu lesen ist, dass nämlich die Turmwächter oft gerügt werden mussten. Waren sie doch bei ihren langen Wachen, die sie zu dritt im Wechsel hielten, öfters eingeschlafen, weshalb man schließlich noch einen weiteren vierten Mann anstellte.

Konnte zwar der Nachtwächter das ein- oder mehrmalige Schlagen der Glocken über die Münsteruhr hören, nicht aber das eigentliche „Nachschlagen“ durch den Turmwächter zur eben derselben nächtlichen Uhrzeit und wohl wenigstens zur jeweils vollen Stunde, musste der Turm-Wächter durch den Nachtwächter aufgefordert werden, die Stunden nachzuschlagen, was der Kontrolle seiner Aufgabe entsprach.

Dazu kam es wohl über das schmiede-eiserne und verzierte Türchen auf Augenhöhe am Fuße des Südturmes. Dort endete ein Seil, das hoch bis zum Turmwächter führte.

Auch musste er dem Scharr- oder Nachtwächter antworten, der wortgewaltig die Stunden auszurufen hatten. Tat er dies nicht, drohte ihm eine Strafe von 30 Kreuzern.

Auf diese missliche Weise wurde 1774 der Hochwächter Johannes Nydinger seines Dienstes enthoben. Er war eingeschlafen, als er die Feuersbrunst in Dürrheim und Donaueschingen hätte bemerken  müssen.

Man sah auf dem Amt jedoch bald ein, dass auch zwei Wächter nicht 12 Stunden wach bleiben konnten, weshalb man 1781 einen dritten Turmwächter einstellte, die sich allerdings für jeweils 8 Stunden ablösten.

Ihre weitere Aufgabe war es, bei aufziehenden Gewittern die namentlich benannten ‚Glocken-Läuter‘ mittels der Sturmglocke zu alarmieren. Denn seit alters her glaubte man, drohendes Unwetter in dessen Ausmaß und Gefahr durch energisches Glockengeläut der beauftragte Personen von  Haus und Hof und Stadt abhalten zu können.

 

 

 

 

 

 

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