Der Stadtgarten auf der Amtmann-Wiese

Einst Oberer Anger und Festplatz im Jahresverlauf

Ein bunter, ein außergewöhnlicher  Stadtplan aus den 60ern zeigt den Stadtgarten (52) und rechts vom Tor (Bildmitte) das Gebäude, in dem einst die Sparkasse war (Mitte). Oben rechts der Eisweiher.

Es ist wohl nur mehr Nostalgie, daran zu erinnern, dass Villingen vor 100 und mehr Jahren gleich außerhalb der Ringmauern jede Menge Platz bot, sich ausbreiten zu können. Als nach der großen Gewerbe-und Industrie-Ausstellung 1907 die sog. „Amtmann-Wiese“- einen Steinwurf vom Oberen Tor entfernt –  zum Stadtgarten wurde und die Sparkasse Villingen ihren Sitz vor dem Oberen Tor hatte.

Doch der Reihe nach. Denn im Zusammenhang mit der benannten Wiese im Eigentum des Klosters St. Blasien steht auch das alte Gemäuer in der Josefsgasse, in dem vor Jahrzehnten fürs Meldewesen, für Ausweise und Pässe und für ein Sammelsurium im Fundbüro für viele Jahre ein ‚Fräulein Bonath‘ ein energisches und strenges Regiment führte und irgendwann auch der erste Stadtsheriff Tröndle seine Amtsstube hatte.

Ein mächtiges Giebelhaus  mit wuchtigen Gewölben im Untergeschoss und mit meterdicken Mauern diente während 150 Jahren als Amtshof des Klosters St. Blasien, von wo aus stets nachfolgende Kloster-Amtsleute die lokalen Interessen und die klösterlichen Liegenschaften des Ordens verwalteten.

Ein Riesenerfolg in 1907: die Industrie- und Gewerbeausstellung, zu der auch der Großherzog anreiste.

 

Hierzu gehörte eben auch die sogenannte „Amtmann-Wiese“ vor dem Oberen Tor, auch Oberer Anger genannt, deren Namen jedoch unterging, weil sie später zum Villinger Stadtgarten wurde.

Ein Schmuckstück für die Stadt bis 1956, als man kurz darauf den Stadtgarten den Interessen eines nahen Industriebetriebs „opferte“, der wohl auch damit gedroht hatte, ansonsten nach Mönchweiler umzusiedeln.

 

Dieses Opfer galt lange Zeit als schlimmer Fehler der Stadtväter, wie heute noch viele Villinger meinen.

Wer früher den springenden Hirsch als Wappen des Amtshofs erkannte, der wusste, wessen „Amtmann-Wiese“ gemeint war, wenn diese bei größeren Volksfesten öfters bierselig zertrampelt wurde.

In die Zeit der lokalen Prälaten gehört auch ein Rechtsstreit zwischen Ritter Johann von Frauenfeld und dem Bischof Heinrich von Konstanz im Jahre 1359, aus dem heraus das Kloster St. Blasien zum immobilen Erfolg kam. Dort im nordwestlichen Stadtviertel, dem früheren „oberen Ort“, wo einst auch die jüdischen Bürger ihre Häuser und Höfe hatte, weshalb man das Quartier auch ‚Judenviertel‘ nannte.

Die Jesuiten in St. Blasien ließen weitere Häuser abreißen, um ab 1663 einen Amtshof zu errichten.

Mit der Aufhebung der Klöster fiel das Haus 1806 an den Staat Baden, dessen Regierung hier das Großherzoglich Badische Finanzamt einrichtete. Dessen Steuerhoheit dauerte bis 1907, als ein neues Finanzamt am Niederen Tor (Commerzbank) genutzt wurde.

 

 

Der Stadtgarten ist jedoch längst vergessen….Oder doch nicht!?

 

 

 

 

 

 

 

Ein bunter, ein außergewöhnlicher  Stadtplan aus den 60ern zeigt den Stadtgarten (52) und rechts vom Tor (Bildmitte) das Gebäude, in dem einst die Sparkasse war (Mitte). Oben rechts der Eisweiher.

 

 

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