„Flughafen“ in stationärer Änderung

Kaufmann Tim Moog aus Villingen ist neuer Eigentümer

Investorengruppe scheint mit an Bord –    Pächterwechsel Mitte Oktober geplant

Einst …

Passanten und Gäste des „Flughafen“- Restaurants im Villinger Friedengrund haben es längst gespannt: „Da ist was im Anflug!“ – Und tatsächlich ist auch aus Insiderkreisen zu erfahren, dass das Anwesen samt Flughafen-Gebäude mindestens einen neuen Eigentümer hat. Doch noch gilt das aktuelle Projekt der Erneuerung im und um den Flughafen eher als „unbekanntes Flugobjekt“, denn noch soll bis zum bevorstehenden Pächterwechsel Mitte Oktober 2022 nichts bis nur wenig im öffentlichen Radar erkannt werden. Da ist es wohl zulässig, in der  Vergangenheit der gesamten Anlage zu stöbern, als die Villinger um 1925 glaubten, sich wenigstens dem nationalen Flug-und Luftverkehr zu öffnen.

Nur kurz blockierte der Versailler Vertrag nach 1918, dass mit 2-sitzigen ehemaligen Aufklärungsflugflugzeugen Post-Verbindungsstrecken über Deutschland möglich waren. Doch kaum sah man die kleinen, zivil gewordenen Maschinen für Post und Personen in der Luft, wollte auch Villingen an der neuen Entwicklung teilhaben.

So liest sich im Ratsprotokoll vom Dezember 1924, „dass man für Zwischenlandungen des neuen Luftverkehrs einen geeigneten Platz zur Verfügung stelle, etwa am Hubenloch“.

Und schon im August 1925  teilt Bürgermeister Guido Lehmann, einst Regierungsassessor, dem Gemeinderat mit, dass man sich an der Luftfahrt-Gesellschaft Mannheim / Karlsruhe beteiligen solle. Und der Gemeinderat stimmte zu. einen Flugplatz auf dem bisherigen Exerzierplatz am Friedengrund mit 500 mal 500ß Metern zu errichten und gleichzeitig Anteilsschein unter Beteiligung der örtlichen Industrie bis zu 40 000 Reichsmark zu zeichnen. Auf diesen Beschluss beteiligten sich die Stadt und die Schwarzwälder Handelskammer je hälftig mit 30 000 Reichsmarl am Aktienkapital und mit 6000 Mark an der Konstanzer Luftfahrt-Gesellschaft.

„“Geneigt“ war man auch, sich am Luftverbund Freiburg-Villingen-Stuttgart zu beteiligen, sofern geklärt sei, ob die Linie auch staatlich subventioniert werde.

Erster Flugplatzleiter wurde dann der Geometer und ehemalige Kriegsflieger Otto Haller, den man statt mit nur 260 Reichsmark monatlich dann aber mit 35o lockte.

Doch schon wenig später wollte man sparen, als ab August 1926 der Architekt Knapp den Job für 215 Mark machen wollte. Dieser hatte zuvor schon den Flughafen projektiert und dafür 250 Mark an Honorar erhalten.

…und heute…

Die Sensation „Flughafen Villingen“ musste nun nur noch beworben werden, und das mit Flugtag und Flugwettbewerb im September 1925.
Dem Badisch-Pfälzischen Luftfahrt-Verein bewilligte man 200 Mark, damit die Piloten zur Zwischenlandung in Villingen ansetzten.

Und für 95 Pfennig je Stück orderte man 6000 Abzeichen – ohne Jahreszahl – und schrieb die lokalen Wirtschaften an, dass diese sich auf die Masse an Besuchern einstelle. Eine sichere Absperrung sollte solle wie üblich geschehen.

Im Nachgang des Flugfestes ergab sich, dass dem Hessen-Fliegerverein nichts an dessen Defizit aus dem Flugtag gezahlt werden kann. Auch war die Landebahn mit 500 Metern eine zu kurze Gras-Piste, worauf man 1927 Almendfelder ablöste, um  nördlich 100 Meter mehr Platz zu gewinnen.

Trotz aller Schwächen einer doch eher primitiven Landebahn zeigte man sich stolz und kaufte von Architekt Knapp 1000 werbewirksame Ansichtskarten, die dieser hatte herstellen lassen.

Schon zuvor hatten sich die Café-Betreiber Späth und Nosch darin überboten, einen Bauplatz nahe dem Flugplatz kaufen zu können. Den Zuschlag bekam Erwin Nosch mit der Auflage, schnell ab dem 1. Juli 1926 und der Landschaft angepasst zu bauen.

Die Aufnahme Villingens in verschiedene Streckennetze brachte dann aber auch diverse Ausgaben:
2340 Mark für die Schwarzwald-Fluglinie, 15 Mark täglich für die Miete eines Flugzeltes für die Linie Stuttgart samt Ausfallgarantie für 1789 Mark und ein Zuschuss für die Linie mit Konstanz von 500 Mark sowie 500 Mark für Konstanz-Wien.

Daraufhin wurde auch offizielle Eröffnungsfeier für 1927  genehmigt.

Doch es folgten eher ungeahnte Konsequenzen: die Linie Villingen-Stuttgart wurde nicht verlängert, Freiburg-Villingen-Konstanz forderte weitere 1500 Mark Beteiligung und bis August 1930 blieb die Zahl der Passagiere wohl eher gering bei deutlichem Defizit.

Es folgten zwei Jahres des kommunalen Hin und Her, bis man im April beschloss, „von der Bewilligung der Mittel für den weiteren Flugverkehr soll abgesehen werden“.
Die Teilhabe mit der Handelskammer an der Luftverkehrsgesellschaft Konstanz wurde gekündigt und für die Villinger war die Luftverkehrsgeschichte als kurze Episode abgeschlossen.

Ab 1933 versuchte man, den Flugplatz einer Flugsportgruppe zur Verfügung zu stellen und genehmigte 7000 Mark für ein halbes Fluggerät, das  13500 kostete; Ingenieur Meer wurde zum Fluglehrer ausgebildet und man klärte den Schadenersatzanspruch des Flughafenwirts Erwin Nosch, dem man das Eigentum am Grundstück übertrug, das er bislang ohne Pacht nutzte.

Das war dann das vorläufige Ende des Höhenfluges der Villinger, die – begeistert vom Grafen Zeppelin – schon 1912 einen Verein für Zeppelinfahrten gründen wollten. War dann aber nix.

 

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