Goldgrubengasse im Abseits mit wenig Historie…?!

Goldgrubengasse nach Süden, gemalt von Arthur Summ

Meine kleine Lokalkunde nimmt die Leser mit zu den Straßen, in die Gässle und Gewanne in Villingen und versucht zu erklären, was es mit deren Namen eigentlich auf sich hat. 

Heute: Wo lag wohl das Gold in der  „Goldgrubengasse“?

Wer sich als Bürger in früheren Jahrhunderten in hohem Grad selbst versorgte, brauchte meist auch Scheuer und Stall für seine klein-städtische Misch-Wirtschaft, für die der Grundriss auch bei kleinen Häusern diese Nutzflächen hergeben musste. Klein parzellierte Häuser also, auch für zwei bis drei Kühe, in denen man auf engstem Raum vieles unterbrachte. Meist mit dabei ein Schwein, oft auch eine Ziege und ein paar Hühner.

 

Reichere Bürger hatten für diesen Zweck eine separate Hofstatt oder ein Wirtschaftsgebäude außerhalb der Mauern, oft beachtlich groß und für alle bäuerlichen Aufgaben.

 

„Goldgrube“ gilt als Begriff für geographische Objekte wie einem aufgelassenen Bergwerk, einer Goldlagerstätte oder einer Goldmine. Das Nomen steht damit auch für ein Bergwerk, in dem Gold abgebaut wird und umgangssprachlich dafür, dass jemand kurzfristig oder auf Dauer ein sehr einträgliches Geschäft gemacht oder er ein gutgehendes Restaurant betreibt. Galt es aber nicht auch als „Goldgrube“, wenn eine füllig hohe Miste einen reichen Bauern erkennen ließ…(wob.)

Innerhalb der Mauern lagen dagegen  die Nutzflächen für eine häuslich eher kleine agrarische Versorgung in den Wirtschaftsgassen wie der Rosen-, der Zinser-, der Weber- oder eben der Goldgrubengasse.

Brauchte man diese nicht in vollem Umfang zum bürgerlichen Wohnen, nutzte man jeden weiteren Winkel als Stauraum für Heu, Ackerfrüchte oder Brennholz oder als Abstellraum für jegliche Gerätschaften. Funktional auch genutzt als Stall. Viele Häuser waren auch Lager- und Werkstattraum für die handwerkliche Produktion der Zünfte: der Gerber, Küfer, Brauer, Maurer, Schreiner und Glaser, Wagner und der Zimmerleute.

Für die wirtschaftlich organisatorischen Abläufe der handwerklich bäuerlichen Stadtwirtschaft konnte man auf solche Wirtschaftsflächen nicht verzichten.

Errichtet aus Holz- und Riegelwerk kannte man dabei auch die „stainyne schür“. Während 250 Jahren der Rechtsvermerke im örtlichen Bürgerbuch wurden 750 Scheuern in jeweils 17 von 100 Fällen zu Objekten einer Eigentümer-Änderungen.

Nun markiert die Goldgrubengasse aber auch einen „eigentümlichen Verlauf“: stark ausgeprägt und einzig mit Bogen, der in die Schlössle-Gasse mündet.

Eine Spekulation dazu, dass die benannte Gasse zur Schwedendamm-Straße korreliere, was als älteste Wegebeziehung in südliche Richtung gelte, weil die ehemalige „Hüfingergass‘“ als  Fahrweg hin zur Stadt das Plateau des Brigachbogens durchschnitt, so der Hobby-Historiker Thomas Hettich.

Eine nostalgische Sichtweise schilderte einst Artur Summ (1925 – 2017):  „In den 20er, und 30er Jahren unserer Kindheit war die Goldgruben-gasse nicht gepflastert. Der Belag war einfach sand-gebunden, weshalb sich nach Regen Drecklachen  bildeten, in die wir gerne barfuß stapften. Blieb es jedoch längere Zeit trocken, war beste Gelegenheit zum „Kigele spiele“. Wollten wir aber die ‚Habergoaß‘  pfitze und den Tanzknopf drille, gingen wir auf den Gehweg der Niederen Straße, der früh schon einen glatten Belag hatte.“

 

 

In die Goldgrubengasse zog einst auch Erhard Fleig (1921-1989), wahrlich ein Original, wenn auch berufslos, jedoch musikalisch begabter Narr.

Er legte einst seinen bürgerlichen Namen ab, ließ sich seiner doch schrägen Physionomie wegen mit „Schemme“ anreden und rufen, und im Telefonbuch lautete sein Eintrag „Schemme Goldgrubengasse 21“.

Nur wer sich an ihn ran tastete, konnte zum engeren Kreis seiner Freunde zählen. Vielleicht hatte „d’Schemme“ eine eigene „goldige Erklärung für die Goldgrubengasse, denn die Chronik gibt nur preis, dass der obere Teil einst die ‚Ochsengasse‘ war und der untere der ‚Niedere Graben‘.

Und just dort konnte man bis ums Jahr 2000 wenigstens einen Blick in die  Werkstatt der Goldschmiede Schilling werfen.

 

 

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