KaMuVi – Närrische Taten seit 150 Jahren

Noch 180 Tage! – Vorbereitungen auf 2022 laufen auf vollen Touren

Noch knapp 180 Tage und die KaMuVi „lässt die Katze aus dem Sack“. Denn keine Frage, die Katzenmusik ist alt, sehr alt, und damit einer der beiden ältesten Villinger Fasnachtsvereine, die beide viel, ja den größten Wert auf Tradition legen. Denn die historischen Wurzeln sind bekannt und so schätzt man auch die Vergangenheit, die im kommenden Jahr eine wechselvolle Geschichte von 150 Jahren hat.

Offen für Neues und stets zeitaktuell am Puls der Zeit, setzt die Katzenmusik auch auf moderne Kommunikation und eine flotte Webseite mit neuem Maßstab zur Online-Informationen. Und dabei beginnt die Geschichte der Katzenmusik nach dem Franzosenkrieg 1870/71 als verständliches Bedürfnis, die Kriegsjahre vergessen zu machen.

Als junge Villinger aus dem „Franzosenkrieg“ zurückkehrten, war an der Fasnet 1872 beste Gelegenheit, in kleinen Musikgruppen durch die Straßen der Stadt und  durch die Wirtschaften zu ziehen. Mit dabei die Lehrlinge, Gesellen und Meister der “Maierschen Uhrenschild-Malerei”.

Was diese eigentlich „Langsche Kapelle” unterm Jahr bei Hochzeiten, an Pfingsten und bei Kirchweih bot, wurde Fasnet zum „Gaudium“ mit eher schrägen und grässlich intonierten Melodien, die das närrische Volk dann „Katzenmusik“ nannte.

Die Langsche Kapelle übernimmt in den folgenden Jahren am Fasnet-Mentig das frühe Wecken, was nicht alle Bürger toll finden, doch immer mehr närrische Anhänger findet.

Diese Art des freudvollen Umtriebs, macht die Teilhabe jenen Bürgern leicht, denen es finanziell nicht  möglich war, im finanziell aufwändigen Häs „Narro zu laufen“ und man in der gleichnamigen Zunft nicht seinesgleichen fand.

Als sich die Langschen Kapelle aufgelöst hatte, übernahm die Kunersche-Kapelle das Montags-Zepter in die Hand und das Wecken am Fasnetmentig blieb obligatorisch.

Die Gaudi nahm gestalterische Formen an, als sich der Kapelle Gruppen anschlossen, die mit Wort, Bild und Kostüm die Lokalpolitik und einzelne Personen  in zunächst bescheidenem Umzug karikierten und persiflierten.

Um sich und die Akteure bei Hohn  und Spott auch übers  “Preußen-Reich” zu schützen wurde erstmals eine militärisch uniformierte Zugpolizei geschaffen

Inserat in „Der Schwarzwälder“ vom 16. Februar 1882.

Zur ersten ordentlichen Versammlung, sich dann auch Statuten zu geben, kam es am 16. Februar 1882 im “Felsen“ in der Gerberstraße, wozu  eine Anzeige im “Der Schwarzwälder” einlud und man mit dem Katzen-Musik-Marsch aufwartete.

Die Beliebtheit hielt an, bis 1887 Frauen und Jungfrauen der Katzenmusik deren  erste Fahne stifteten. Grund genug, dass künftig ein Tambourmajor den Umzug mit Trommlern und Pfeiffern und der Fahne. anführte und um 12 Uhr auf dem Latschariplatz ein Appell stattfand.

Die jährliche Fasnet wurde auch vom damaligen Fröhlichkeitsverein getragen, der 1900 eine neue Fahne stiftete, was auch die Tatsache würdigte, dass die Katzenmusik intern und mit einer „Zuggesellschaft“, den Ablauf der Fasnet organisierte. Mit Ausbruch des Krieges von 1914 bis 1918 ruhte nicht nur Villingen die Fasnet.

Schildermaler bei Maier und Mitbegründer: Julius Oberle (1847 – 1937).

Und so dauerte es bis 1920, als die Alt-Katzenmusiker Norbert Mauch, August Marinoni, Andreas Heinzmann, Johann Baptist Mauch, Wilhelm Axtmann, August Axtmann, Karl Seemann und Karl Rinderspacher mit weiteren “Ehemaligen” den „Katzenmusikverein Miau“ neu gründeten. Der erste Vorsitzende ist als  Vorstand zugleich Generalfeldmarschall und führt den jährlichen Umzug an.

Schon ein Jahr später erscheint die erste Katzenmusikzeitung.

Da man bei Wind und Wetter die Fahne Jahr um Jahr strapazierte, war es 1926 der Kunstmaler Karl Friedrich Kaiser, der die dritte Fahne gestaltete, die aus der Kasse, über Spenden von Gönnern bezahlt wurde. Unter neuem Wahrzeichen startete man in die weitere Vereinsgeschichte.

August Marinoni wird 1927 zum Generalfeldmarschall gewählt, Karl Fleig ist sein Stellvertreter. Im Verlauf der Jahre bis 1935 wurde die Umzugsfolge  laufend neu geordnet: ein Prinz Karneval reitet im Umzug mit, der Wagenbau erfolgt zentral unter Karl Fleig, was den bislang einzelnen Wagengruppen sehr recht war.

Erster Streich 1972: Die Katzenmusik-Zeitung im Großformat.

Markant und seit 1929 bis heute gültig wurde der Zeitungskopf  einer neuen Katzenmusik-Zeitung, zu der erneut Kunstmaler Karl Kaiser das Layout entwarf.

„Jedem Narr sei Kapp‘“ und dann auch noch einen Orden in Narrenblech; so geschah es ab 1932 mit Auszeichnungen in verschiedenen Klassen. Verliehen wurden diese Ehrenzeichen am Unterhaltungsabend oder beim Appell am Fasnet-Mentig auf dem Latschari-Platz. Auch hierbei stand der  Kaiser Karle mit seinen Entwürfen Pate.

Neuer Generalfeldmarschall wurde 1935 Ludwig Rapp und Karl Fleig bleibt erneut Stellvertreter.

Neuen Klang mit Takt und Schmiss erfuhr der Umzug der Katzenmusik 1936, als erstmals die Jugendkapelle der Stadtharmonie teilnahm.

Von 1933 bis 1939 versuchte sich die Katzenmusik zwar in ständiger Distanz zur NS-Politik, was den Fasnetumzügen zwar die Ideen ließ, doch bedurfte es stets der klugen Haltung von Generalfeldmarschall Ludwig Rapp, dass der Verein mit den  Polit-Bonzen jener Zeit zurechtkam, weil man trotz allem die Meinungsfreiheit unter der Narrenkappe mit offenem Wort provozierte und wohl auch strapazierte.

Von 1939 bis 1945 war stets klar, dass die Fasnet erneut ruhte.

Mit Genehmigung der französischen Militärregierung wird 1947 der Katzenmusikverein neu gebildet. Damit wurde der närrische Generalfeldmarschall der Villinger Katzenmusik deutschlandweit zum einzigen anerkannten, nicht-militärischen Befehlshaber, der jedoch statt seines Degens nur einen Reisigbesen im Gürtel trug.

Umzug 1911: Napoleons Rückzug aus Moskau.

Mit diesem Insignum angeführt trat die Katzenmusik zunächst wieder mit einem einzigen Umzugswagen an die Öffentlichkeit und auf eine zehnjährige Pause zieht die Katzenschar am Fasnetmentig-Morge wieder in die Stadt ein

1950 nimmt die komplette Stadtharmonie erstmals am Katzenmusik-Umzug teil. Zwei Jahre später, 1952, tritt Ludwig Rapp nach 17 Jahren ab und Hermann Ummenhofer wird zum neuen Generalfeldmarschall gewählt.

Und weil man jährlich Neues bieten will, steht zum 80-jährigen Vereinsjubiläum eine Katzenmotter dem Hermann zur Seite. Da aber Hermann I. partout nicht aufs Pferd wollte, wurde der Galawagen für die gesamte Vorstandschaft geschaffen.

Kater-Layout für die erste und die jüngste KaMuVi-Zeitung von Kunstmaler Karl Friedrich Kaiser.

Im Jahre 1952 gründen Katzenmusik, Narrozunft und Glonki-Gilde eine  Zuggesellschaft, die seither mit vielen weiteren Vereinen den großen Umzug am Fasnet-Dienstag organisiert.

Schließlich verordnet die KaMuVi-Vorstandschaft 1953 ihre Kommissionen für Wagenbau, Unterhaltung, Zeitung und Ordens und schafft einheitliche Kostüme für Umzüge und Bälle.

Mit eigener Satzung wird 1954 der Verein ins amtliche Register eingetragen.

Erstmals 1958 erhält der Kater sein markantes Kostüm, zu dem er sein Strählbuch, eine Laterne und auf dem Schwanz eine Eule trägt. Grad so, wie der Kater Miau im benannten Zeitungskopf. In diesem Habit wird er zum ersten Mal aus dem Romäusturm statt einer bisherigen Fasnetsuche befreit.

In den 60er Jahren textet Rudi Streit das Katzenmusiklied (1964) und 1968 wird Karl Strittmatter zum Generalfeldmarschall. In den Folgejahren kommt es zum Waldfest am Aussichtsturm (1971),

Heinz Glunz wird 1972 zum Generalfeldmarschall und 1973 wird als Jahrhundertprojekt die Katzenmusikhalle am Unteren Dammweg eingeweiht. Dort, wo schließlich auch die  Kleiderkammer unterkommt und wo  Toiletten, Werkstatt, Aufenthaltsräume, und das Archiv etabliert werden. Nach einer neuerlichen Erweiterung 1990/1991 wird das frühere Waldfest zum Sommerfest 1973 in eben dieser Halle gefeiert.

Zum ersten Präsident wird Wolfgang Blessing 1980, der 1991amtiert, und schließlich wird Alfons „Adoz“ Moser  zum Generalfeldmarschall. Sein Sohn Thomas Moser übernimmt 1988 die Regie der Katzenmusikbälle und Heinz Gabriel wird 1991 zum Generalfeldmarschall, als wegen des Golfkrieges die Fasnet auch in Villingen ausfällt.

Für den Festumzug der Tausendjahrfeier 1999 baut die Katzenmusik die Wagen Villingens und beteiligt sich bei der Bewirtung. Ähnlichen Service bietet die KaMuVi 2003 Programm des Landesturnfestes mit fünf Spielen für Jung und Alt.

2005 wird Heinz Klingele Nachfolger von Heinz „Gabi“ Gabriel und 2006 wird das seit 15 Jahren vakante Präsidentenamt vom  spendablen Villinger Unternehmer Christoph Hess eingenommen.

Im selben Jahr steht die Teilnahme am Landesmusikfest an, im September wird die restaurierte Heny-Bogen-Uhr gefeiert und die DVD „100 Jahre Katzenmusik-Jubiläum“ als Film von Herbert Schroff ist fertig. Die Regie für den Katzenmusikball übernehmen 2008 Dominik Schaaf und Thomas Streit.

Ein Novum dann 2010, als für die närrische Jugend nach alten Vorlagen „de Katzerolli” geschaffen wurde.

2013 folgt Christoph Hess als Nachfolger von Generalfeldmarschall Heinz Klingele, der zum Ehren-Generalfeldmarschall wird.

Einer der Stadtbrunnen wird 2014 mit der Figur des Katers in der Niederen Straße geschmückt, wobei die Narrenzunft Schwenningen und die Alte Jungfere die Patenschaft übernahmen. Seit 2015 ist Dominik Schaaf  Generalfeldmarschall und „regiert“ auch  gleich beim zweiten großen Stadtfest “9 am Münster”.

Aktuell laufen nun Planung, Koordination und Organisation für 150 Jahre Katzenmusik. Da sind ab dem 8. Januar 2022 „auf den Speck“ nicht nur die Mäuse gespannt.

 

 

 

 

Repros: Bräun

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