Wer sich an seine Kindheit in den 50er Jahren erinnert, dem könnte nostalgisch einfallen, dass der Fußweg zum damaligen Quellort der Romäusquelle gar nicht so bequem war.
Viel eher wusste man, dass es wohl vier Kilometer zum nahe gelegenen Kirnacher Bahnhöfle sind, was auch über den Athletenplatz oberhalb der Straße nach der Unteren Kirne vorbei am „Silbersee“, dem dortigen durch einen Wall gestauten “ Waldsee“, wohl einem Brandweiher für das hoch gelegene Volkertsweiler, nicht weniger weit war.
Noch wenige hundert Meter weiter, den Fußweg und den Wald hoch und man war dort.
Die Quelle jedoch war keineswegs eine uralte oder eben historische bekannte Natur- oder Wallfahrtsquelle. Viel eher geht der Quell auf ein Vorhaben der 1930er Jahre zurück.
Als in den Jahren 1933/34 die Planungen für den Villinger Kurpark und das damals neue Kneippschwimmbad auf dem Tisch lagen, wurde auch nach einer Quelle gesucht.
Damals hoffte man, eine radon- bzw. radiumhaltige Heilquelle zu entdecken, denn solchen Wässern schrieb man eine gesundheitsfördernde Wirkung zu.
Die Quelle wurde tatsächlich massiv wie ein kleines Bollwerk gefasst.
Sie trat an einer geologischen Schichtgrenze zwischen Granit und Buntsandstein aus, wobei der Granit zum Eisenbacher Granitmassiv gehört.
Eine chemische Untersuchung zeigte jedoch schon früh, dass das Wasser keine außergewöhnlichen Inhaltsstoffe und insbesondere kein Radium enthält.
Damit war auch die Idee erledigt, mit das dem Quellwasser und einer angedachten Leitung über viele hundert Meter bis in den Kurpark und einer Trinkhalle zu einem anerkannten Kur- oder Heilbetrieb zu werden
Längst fast schon vergessen, dass man noch vor Kriegsbeginn 1939 eine historische Tatsache schaffen wollte, indem geplant war, die Quelle „Dr.-Joseph-Goebbels-Quelle“ zu nennen – ganz im Zeitgeist des Nationalsozialismus.
Dazu kam es jedoch mangels eines großen Kurbetriebs und der doch bescheidenen Quelle nicht und es blieb seither bei einer populären Romäusquelle, benannt nach dem legendären Villinger Lokalhelden Romäus auch Remigius Mans benannt.
Obwohl sie nie Heilquelle wurde, entwickelte sich die Romäusquelle über viele Jahrzehnte zu einem beliebten Ziel.
Viele Menschen aus der Region holen dort bis heute Wasser, weil sie dessen weichen Geschmack schätzen.
Doch weist die Stadt und der städtische Forst immer wieder darauf hin, dass eine Gewähr für die Trinkwasser-Qualität nicht gegeben werde, da die Quelle nicht unter die regelmäßige Kontrolle der Trinkwasser-Verordnung fällt.
Trotz allem ist die heutige Romäusquelle, längst verlegt an den Bachlauf der Kirnach, ein Zeugnis der Kur- und Gesundheitsbewegung der 1930er Jahre und ein Kapitel Villinger Lokalgeschichte, auch wenn sie als Heilquelle ausblieb, jedoch die Verhältnisse jener früherer Zeiten widerspiegelt.