Fisch-Doller baut um und saniert – Mit dem Priest aufs Haupt
Es war eher ein Zufall, dass Mitte Oktober 2026 im privaten Kreis die Frage aufkam, warum denn wohl von manchen Personen, deren Handwerk oder deren Geschäften in den 1950er und 60er Jahren keine Fotos existieren? Doch weit gefehlt!
Denn ein Stadtarchiv weiß viel, lokalhistorisch mehr als KI!
Also: Gibt es Fotos aus jener Zeit, in der an der Ecke Brunnenstraße/Rosengasse die Firma Doller ein Fischgeschäft im Einzelhandel führte? Mitten im Schwarzwald!
Ja klar, antwortet, Markus Teubert und liefert. Direkt 70 Jahre auf die damals aktuelle Tatsache, dass Kurt Doller und sein Architekt Günter Werkmann aus der vorderen Waldstraße 1956 einen Bauantrag stellten, das Erdgeschoss an besagter Ecke umbauen und sanieren zu dürfen
Und wozu?
Nun, nicht viele in 2026 werden sich an Kurt Doller, den „Fisch-Doller“ und „sin Fru“ erinnern, auch wenn Frau Doller wahrlich eine markante, eine gar tatkräftige und bisweilen heftige Frau in diesem Gewerbe auftrat.
Für Kinderaugen ganz und gar nicht zimperlich, wenn sie einen Lebendfisch aus dem besprudelten riesigen Aquarium nahm, das gleichzeitig Verkaufs-und Schaubecken war, und sie diesem Tier den Garaus machte: zwei Schläge mit dem krüppeligen Priest oder Fischpriest und … Kein Mucks mehr!
Lebendfisch hatte in jener Zeit einen besonderen Stellenwert: Auch „de Fisch- Doller“ konnte einen Fisch nach Gewicht und Kundenwunsch auswählen. Er musste nicht den gesamten Bestand sofort verarbeiten. Obwohl ein zusätzlicher Aufwand für Becken, Wasser und Pflege entstand. Ausfälle durch Transportstress oder schlechte Haltungsbedingungen hätten den Gewinn sicher deutlich gemindert.
Denn die Nachfrage konnte saisonal stark schwanken, besonders bei traditionellen Festtags- oder Freitags-Gerichten. Der Lebendfischbestand war somit ein eigener Betrieb im Laden. Das Geschäft war damit nicht bloß ein Verkaufsraum, sondern zugleich Lebensmittelgeschäft, Verarbeitungsplatz, Lager und täglicher Organisationsbetrieb.
Die körperliche Arbeit und der Zeitdruck durch die Verderblichkeit der Ware prägten den Alltag auch bei den Dollers. Das alles nach Umbau und Sanierung 1956 nach Plänen des Architekten Werkmann mit Wasseranschlüssen, Abflussanlagen und möglichen Kühl- oder Lagerräumen.
Ein solcher Laden war in den 1960er-Jahren ein handwerklich geprägter Lebensmittelbetrieb, dessen Alltag von frühen Lieferungen, Umgang mit Eis, körperlicher Arbeit, persönlichem Kundenkontakt und einer kurzen Haltbarkeit der Waren bestimmt wurde.
Auch für Villingen konnte frischer Seefisch über die deutschen Großhandels- und Transportnetze in den Schwarzwald gelangen.
Daneben spielten Süßwasserfische, Räucherfisch und haltbar gemachte Fischprodukte eine Rolle.
Doch so richtig stark sind die Erinnerungen aus der Kindheit dennoch nicht an die eher kurzen Erlebnisse beim Kauf von Kabeljau, Schellfisch, Seelachs oder auch an ganze Fische oder größere Stücke, die auf Wunsch von den Dollers, gekleidet in Gummistiefel, hellen Jacken und mit deren beigen Lackschürzen, zwischen und allseits gefliesten Wänden und Flächen filetiert und portioniert wurden.
Mit dabei Räucherfisch, Bücklinge, Makrelen und Aal, je nach Lieferant, Preis und Geldbeutel. Räucherware war ein ergänzendes Angebot, ebenso wie eingelegte und verarbeitete Ware als Matjes, Bismarckheringe, Rollmöpse, Fischsalate und Marinaden. Ein Teil kam wohl fertig vom Lieferanten, anderes wurde im Laden vorbereitet.
In 2026 jedoch kein „Petri Heil“auf den Fisch Doller von einst, denn das war’s schon nicht vor 70 Jahren.
Heute schnuppert man an diesem Eck ganz andere Düfte, nämlich die, die zunächst von Rainer Mangers Salon und längst vom Friseur-Salon des Nunzio Milia ausgehen.